Leben in Colombo - von Christa Stuber

Sri Lanka – Perle im Indischen Ozean

Traumhafte Strände, üppige Berglandschaften, malerische Teeplantagen,
weite Savannenlandschaften mit reichem Tierbestand, freundliche Menschen
und seit 30 Jahren im Bürgerkrieg.

Wie lebt es sich in einem Land, in dem Milch und Honig fließen und sich die Menschen gegenseitig die Köpfe ein-
schlagen? Eigentlich nicht schlecht, denn die Auseinandersetzung findet nicht zwischen den Singalesen und den Tamilen statt, die leben in Colombo in friedlicher Koexistenz, sondern zwischen den Regierungstruppen und den Tamil Tigers, der LTTE, den selbsternannten Vertretern der tamilischen Minderheits-
bevölkerung. Kriegsschauplatz ist der
Leuchtturm bei Matara am südlichsten Punkt Sri Lankas
Nordosten des Landes, inzwischen auf einen kleinen Landstrich reduziert. Was dort allerdings genau geschieht, wissen nur die Götter, denn was in der Presse erscheint, ist zumindest geschönt.
Die Menschen hoffen auf ein baldiges Ende des blutigen Konflikts, denn der Krieg birgt nicht nur menschliche Tragödien, sondern wirkt sich auch massiv auf die Wirtschaft aus: Die Lebenshaltungskosten sind für die Einheimischen hoch, die Steuern teils exorbitant, die Gelder knapp. Was übrig
Hunas - Wasserfall in der Nähe von Kandy
ist, fließt in die Kriegsmaschinerie und in die derzeitigen Wahlkampagnen.Die globale Wirtschaftskrise, die auch vor Sri Lanka nicht halt macht, wird gefliessentlich unter den Teppich gekehrt. Ein Kniefall oder Konzessionen, um an IMF-Gelder zu kommen, lehnt der Präsident großtönig ab. Die Regierung streicht ein Wachstum von sechs Prozent heraus und freut sich über eine rückläufige Inflationsrate, obwohl sie immer noch im zweistelligen Bereich liegt. Der Tourismus, die Haupteinnahmequelle des Landes, ist bis
Elefantenwaisenhaus ini Pinnawella bei Kandy
auf wenige Gäste im Südwesten des Landes, praktisch zum Erliegen gekommen. Dabei wünscht sich das Personal in den Hotels nichts mehr,als einen Aufschwung – und sie hätten es verdient. Bei allen gegenwärtigen Widrigkeiten – und weitere Selbstmordattentate können letztlich in allen Landesteilen nicht ausgeschlossen werden – lässt es sich in Sri Lanka recht gut leben. Eigentlich gibt es auch für Touristen keinen triftigen Grund, dem Land fern zu bleiben. Letzte Sicherheit gibt es in keinem Land, an keinem Ort, das zeigen die Anschläge in Indien,
Blumenpracht bei Nuwara Eliya
Griechenland, die Unruhen in Frankreich oder die Hooligans-Schlachten auf dem Fußballfeld, dann heißt es nur zuhause bleiben und aufpassen, dass man das Genick nicht bricht, wenn man vom Barhocker fällt.Die Menschen sind so vielfältig wie die Landschaften des Landes. Ihre Hautfarbe reicht von den hellhäutigen Singalesen, die ursprünglich aus Nordindien stammen, bis hin zu den kaffeebraunen Tamilen, die im vorletzten Jahrhundert unter den Briten als Plantagenarbeiter aus Südindien ins Land kamen. Die Gesichtszüge sind für
Tsunami-Opfer: Fischerfamilie in Kalutara vorm neuen Haus
asiatische Verhältnisse, den europäischen recht nahe, was wohl auch an einer gesunden Durchmischung seitens der Portugiesen liegt. Dies zeigt sich auch an Familiennamen, wie Fernando, Perera, de Silva oder Gomez. Auch in ihrer Art fehlt es an der sonst üblichen asiatischen Zurückhaltung. Kein Barkeeper nimmt ein Blatt vor den Mund - er wettert frisch von der Leber über die Regierung oder die Situation im Lande. Dank ihres guten Englischs, auch problemlos zu verstehen. Dass die Ceylonesen keine Kostverächter sind, zeigt sich zum Teil in ihrem durchaus
Einfach, aber gut: Stolze Resdtaurantbesitzer in Dambulla
stämmigen Körperbau. Mit Vorliebe essen sie zu allen Tages- und Nachtzeiten Reis und Curry - genüßlich mit den Fingern. Das superscharfe Zeug schmeckt zwar höllisch gut, kann aber auf Dauer nicht gesund sein, was sich in einer derhöchsten Diabetesrate der Welt widerspiegelt. Großen Wert legen die Sri Lanker auf Bildung. Wer auch immer kann, schickt seiner Kinder auf ausländische Schulen. Damit ist das Land idealles Fanggebiet für zweit- und drittklassige Universitäten aus dem
Arrack: Kokosnuss-Schnaps - Liebliengsgetränk der Sri Lanker
anglikanischen Sprachraum. Die Zeitungen sind voll von Anzeigen von Institutionen, teils auch fragwürdigen, die nur ihre Kassen aufbessern wollen und den Leuten noch den letzten Rappen aus der Tasche ziehen. Aber auch unter den Einheimischen gibt es faule Eier im großen Stil, derzeit sorgt ein Skandal um die getürkte Kreditkarte „Golden Key“ der Ceylinco-Gruppe für Aufregung und nicht zuletzt für den finanziellen Ruine der Betroffenen.
Autofahren ist in Sri Lanka ein Erlebnis für sich. Überlandfahrten sollten nicht in
Tuk-Tuk Parade - nicht alle sehen so gut aus!
Kilometern, sondern in Stunden gerechnet werden, kommt man doch kaum schneller als mit 35 Kilometern pro Stunde vom Fleck. In Colombo hält sich der Verkehr, abgesehen von den Stoßzeiten, noch im Rahmen. Hat man sich mal an die chaotische Fahrweise im Linksverkehr gewöhnt, ist es aber kein Problem, selbst zu fahren. Threewheeler gibt es überall, allerdings versuchen die Fahrer Bleichgesichter gerne über den Tisch zu ziehen. Mit einem vorbestellten
Vorortzug von Colombo
Taxi mit Uhr fährt es sich meist viel billiger, zumindest in Colombo. Sri Lankas Bevölkerung ist sehr traditionell, zumindest auf dem Land. Die Mädchen gehen noch mit Zöpfen zur Schule, bei Einbruch der Dunkelheit werden die jungen Mädchen vom Trottoir geräumt, die Frauen tragen Sari oder lange weite Röcke und die schwarzenlangen Haare sind zu Pferdeschwanz oder Knoten gebunden – gefärbtes Haar, Kurzhaarschnitte und Jeans sind Colombo vorbehalten.
In Sri Lanka herrscht Religionsfreiheit, die Mehrheit der Bevölkerung ist buddhistisch, aber auch Moslems und alle Couleur Christen sind vertreten. Die Portugiesen hinterließen den Katholizismus, die Holländer die reformierte Kirche. Dank eines Lärmschutzgesetzes, ist der Ruf des Muezzins vom Minarett zeitlich begrenzt.
Reformierte Kirche in Galle - Überbleibsel der Holländer
Colombo, größte Stadt des Landes, hat an echten Sehenwürdigkeiten, bis auf ein paar alte Kolonialgebäude, wenig zu bieten. Was es gibt, findet sich in der einschlägigen Reiseliteratur. Aber Colombo verfügt über einige Oasen, in denen sich Expatriates wie Touristen wohlfühlen. Neben den Vier- und Fünf-Sterne-Hotels, Cinnamon Grand, Hilton oder Trans Asia, mit ihren hervorragenden Restaurants, sei insbesondere das Galle Face Hotel erwähnt. Das alte Kolonialhotel mitten in
Royal Colombo Golf Club
der Stadt liegt direkt am Indischen Ozean und das Sea Spray Restaurant bietet abends ein Buffet mit gutem Preis-/Leistungsverhältnis bei Kerzenschein und Meeresrauschen. Die Chesa Swiss, etwas weiter südlich an der Duplication Road, bietet in einem alten Kolonialgebäude Heimweh-Schweizern, Fendant, Fondue, Raclette, Bündnerfleisch oder was das Herz begehrt. Am Tag sitzen Besucher im Garten der Barefoot-Gallery, an der Galle Road, unter schattigen Bäumen und das Gallery-Café lädt auch abends zum
Swiss Circle: Fondue-Plausch in der Chesa Swiss, Colombo
Verweilen ein. In zahlreichen Lokalen, wie im Cricket Club, an der Beach Wadija oder im La Rambla kann man draußen sitzen und die milde Abendluft genießen. Ein weiteres Kleinod ist das Mount Lavinia Hotel, rund 15 Kilometer südlich Colombos. Der alte Gouverneurspalast bietet einen traumhaften Blick über Ozean und Stadt. Und nicht zu vergessen ist natürlich der Royal Colombo Golfclub mit seiner imposanten Terrasse, der mit seiner fast 130-jährigen Tradition allerdings Golfspielern und Mitgliedern vorbehalten ist.
Swiss Food Festival im Trans Asia Hotel
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